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Albert Baumhoer

Meisterwerkstatt für Orgelbau und Restauration
Südring 29
33154 Salzkotten

fon: 0 52 58 - 93 48 39
fax: 0 52 58 - 93 48 41

info@baumhoer-orgelbau.de

Erläuterungen zur Restauration der großen Orgel von Wilhelm Rühlmann in Hettstedt

Das gesamte Pfeifenwerk der Orgel ist unverändert erhalten geblieben. Wilhelm Rühlmann baute an dieser Orgel seine äußerst präzisen und unverwüstlichen Kastenladen ein und verwendete für den Bass der Manualwerke I und II sowie das Pedalwerk Kegelladen.

Beide Ladensysteme (Zustrom- und Abstromsystem) glänzen durch die Verwendung bester Materialien. Die hervorragende Lederqualität, verbunden mit der genialen Konstruktion der im System der Kastenlade gut geschützen Bälge (Ton- und Registersteuerung), liessen das Instrument knapp 100 Jahr störungsunanfällig seine Dienste verrichten.

Undichtigkeiten, extreme Verschmutzung (keine Reinigung in 80 Jahren) machten jetzt eine grundlegende Revision des Instrumentes nötig.

Alle Windladen wurden zerlegt und gegen Schädlingsbefall behandelt. Von Schädlingen befallene Holzpfeifen wurden rekonstruiert und wieder eingebaut.
Die Dichtflächen der Ventile wurden gereinigt, die Blattfedern zur Ventildichtung reguliert. Die defekten Bälge des Tonsventilsystem (mehr Details) wurden erneuert. Das Steuerrelais des Abstromsystems wurde neu reguliert und mit neuen Membranen bestückt.
Der in Folge des I. Weltkriegs eingezogene Zinnprospekt wurde nach historischen Vorlagen bei Wilhelm Rühlmann sen. rekonstruiert und neu eingegliedert.

Das restaurierte Instrument zeigt sich heute in seinem originalen Klangbild und kann auch nach knapp 100 Jahren durch Frische und Kraft überzeugen. Besonderen Wert wurde hierbei auf die Erhaltung der historischen Intonation gelegt, die nur durch Beibehaltung der originalen Winddrücke möglich ist.

Durch hohe Luftfeutchtigkeit, extreme Luftverschmutzung im jahrzehntelangem Berbaugebiet und hierdurch hervorgerufenen Oxydation an sämtlichen Metallteilen (Bleirohre, Führungsstifte, Halteklammern der Registerknöpfe) bewirkte eine Schwergängigkeit im Spielbetrieb, was bis zu Ausfällen führte. Bedingt durch die kompakte Bauweise der dreimanualigen pneumatischen Spielanlage, war eine tiefgreifende Restauration nur möglich durch vollständige Zerlegung (!) des Spieltisches.

Nur durch diese Zerlegung war es ferner möglich, den Spieltisch und seine vielfältigen Funktionen zu regulieren und die bekannt präzise Spielart wieder herzustellen.

Das eine solche Aufgabe hohen Sachverstand, Fingerspitzengefühl und unangefochtene Meisterschaft erfordert, zeigt sich an dieser Stelle als Alternative zu herkömmlichen Problemlösungen, die leider allzuoft heißt: Weg damit. Vielmehr konnte hier ein Zeugnis des Orgelbaus erhalten und geschützt werden.